Inseltagebuch
Dienstag, 16. April 2002
Heute hat mich eines der beliebtesten Rituale in Italien zur Änderung meiner ursprünglichen Routenplanung gezwungen. Bei meinem ausgiebigen Frühstück hatte ich mir überlegt heute nach Vulcano zu fahren, um den dort immer noch aktiven Vulkan zu besteigen. Ich bin also gegen 10.45 um Hafen gegangen, um dann die Fähre nach Vulcano zu nehmen. Im Ticket-Shop versuchte mir der Verkäufer dann auf italienisch etwas zu erklären, von dem ich kein Wort verstand. Zum Glück stand hinter mir in der Schlange ein Deutscher, der offensichtlich der italienischen Sprache mächtig war. Er übersetzte mir dann, dass heute ein Streik anstehe und ich deshalb nicht nach Vulcano kommen würde. So musste ich dann kurzfristig umdisponieren. Ich entschied mich für eine Route auf Lipari.
Es war eine Strecke an die Südspitze Liparis, von der man einen wunderbaren Blick auf Vulcano und den aktiven Gran Cratere haben soll. Im Reiseführer war die Strecke mit 9,5 km und einem Höhenunterschied von 369 Metern angegeben. Reise Gehzeit 3 ½ Stunden. So machte ich mich dann auf den Weg und das trotz schmerzender Fersen. An der einen hatte sich mittlerweile eine prächtige Blase gebildet, die ich mit einem Blasenpflaster besänftigen wollte. Gelang aber nur zum Teil. Aber da musste ich jetzt durch. Auch die andere Ferse schmerzte, so dass ich auch sie mit einem Schaumstoffpolster abfederte. Ging auch ganz gut so. Tatsächlich erreichte ich nach 1 ½ Stunden die Südspitze Liparis (im Reiseführer mit einer Zeit von 1 Stunde angegeben, aber ich habe ja auch mal Pause gemacht, außerdem geht es hier ja nicht um die Einhaltung von Zeitvorgaben). Von hier konnte man genau die Gasaustritte aus dem Gran Cratere erkennen, die ich mir eigentlich von der Nähe aus ansehen wollte. Aber vielleicht ist morgen ja kein Streik mehr. Bis jetzt hatte ich 120 Höhenmeter geschafft und nun ging es an die Besteigung des Monte Guardia mit seinen 369 Metern Höhe. Als erstes kam man an dem alten Observatorium zur Beobachtung der Nachbarinsel Vulcano vorbei. Von hier hatte man auch einen sehr schönen Ausblick auf die Insel und auch in die andere Richtung zum Ort Quattrocchi hin. Bis hierhin hatte ich dann schon 226 Höhenmeter erreicht. Kurze Zeit später gelangte ich dann wieder an einen Pfad, der so zugewuchert war, dass man nur erahnen konnte wo er langführt. Ging aber trotzdem ganz gut. Und schon stand ich an dem im Reiseführer beschriebenen Abzweig in Richtung Gipfel des Monte Guardia. Es ging über verwachsene Wege bis zum auch beschriebenen kleinen Obstgarten. Dach dann ließ mich auch der Reiseführer im Stich, denn ab hier gab es den beschriebenen Weg nicht mehr. Aber ich wollte trotzdem bergauf. Also einfach mal den Berg rauf und schauen ob dort vielleicht doch ein Weg auftaucht. Dem war aber nicht so. Mir blieb also nichts anderes übrig als mich durch dichtes Gestrüpp voran zu kämpfen und nach 15 Minuten war ich mir sicher, dass hier nie und nimmer ein Weg sein konnte. Aber einen Gipfel zu besteigen ist zumindest für die Orientierung nicht so schwierig, man muss einfach bergauf gehen. Nach weiteren 5 Minuten konnte dann auch von gehen nicht mehr die Rede sein, denn nun wurde es ein wirkliches kraxeln über lockere Lavasteine und die dazwischen wachsenden Büsche. Aber der Wille hat sich dann doch durchgesetzt und nach 15 Minuten "Bergsteigen" gelangte ich auf den Gipfel. 369 Höhenmeter und bereits 5,5 km Fußmarsch lagen nun hinter mir. Hier durfte ich dann auch eine ausgedehnte Pause in der Sonne machen.
Das Wetter hatte sich nämlich gegenüber heute morgen prächtig entwickelt. Wo heute morgen noch Wolken den blauen Himmel zerstückelten war jetzt nur noch blauer Himmel und Temperaturen weit jenseits der 20 Grad. Bei dem ständigen Wind auf dem Gipfel konnte man das sehr gut aushalten und es wurde auch beim Wandern nicht zu warm. Trotzdem merkte man gegenüber gestern, dass es ein wenig kälter geworden war. So konnte ich heute nicht mehr wie gestern nur im T-Shirt laufen, sondern musste einen Pullover anziehen. Aber es war okay.
Den Gipfelabstieg wollte ich auf keinen Fall über den gleichen Weg (war ja gar kein Weg) machen und musste mich statt dessen um eine Alternative kümmern. Zum Glück kamen während meiner Rast zwei Wanderer vorbei, die auf einem anderen Weg den Gipfel verließen. Diesen Weg würde ich auch nehmen. Er war dann auch wirklich etwas besser sichtbar, im unteren Bereich dann aber auch mehr zu erahnen. Trotzdem schaffte ich es wesentlich einfacher ist zu dem vorhin verlassenen Weg. Jetzt ging es nur noch bergab. Eine schöne Strecke vorbei am Monte Giardini (278m) in einem gemächlichen Gefälle bis zu der kleinen Kirche Sant Bartolo al Monte. Von hier gab es einen schmalen Weg mit einem höllischen Gefälle. Zum Glück wurde dieser bald zu einem Treppenweg, das Gefälle aber blieb. Hier möchte ich niemals bergauf gehen müssen. Nach weiterem 1,5 km stand ich dann wieder in Lipari-Stadt.
Es war nun gegen 16.00. Ich hatte für die Tour insgesamt also 4 ¾ Stunden benötigt, was einer reinen Gehzeit von ca. 4 Stunden entsprach. Ich bin also gar nicht so weit hinter der Zeitbeschreibung im Reiseführer hinterher. Nun war ich aber auch froh endlich aus den durchgeschwitzten Klamotten rauszukommen und mich unter die Dusche zu stellen. Bei der nachfolgenden Untersuchung meiner Füße musste ich feststellen, dass die Blase noch ein Stück größer geworden ist und am anderen Fuß sich eine Blase gebildet hatte, obwohl ich diese Ferse vorher getapet hatte. Aber genau an der Nahtstelle zweier Tapes hatte sich dies kleine Blase entwickelt, was nicht weiter schlimm gewesen wäre, wäre sie nicht auch schon geöffnet gewesen. So tat es natürlich höllisch weh und ich wusste auch noch nicht genau wie ich das bis morgen wieder hinkriegen wollte. Aber da mache ich mir dann morgen Gedanke drüber. Für heute reicht es jedenfalls erst einmal. Nun konnte ich mich noch zu einem schönen Sonnenbad auf die Terrasse legen. Denn hier unten in Lipari ging so gut wie kein Wind und die Sonne stand auch noch hoch am Himmel, so dass es kein Problem war nur mit einer Badehose bekleidet draußen zu liegen. Sobald die Sonne aber verschwand wurde es auch schlagartig kühl und ich musste meinen Platz verlassen.