Inseltagebuch

 

Sonntag, 21.04.2002

Heute spielte das Wetter nicht ganz so mit, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und auch meine linke Achillessehne nicht. Die schmerzte nämlich ganz schön, was wahrscheinlich an der falschen Belastung auf Grund der Blase an der Ferse zurückzuführen ist. Ich versuchte sie schon immer zu kühlen und mit Salbe zu behandeln, aber als ich am Morgen in meine Schuhe stieg und einige Schritte machen wollte, ging es nicht. Eigentlich wollte ich nach Alicudi fahren und dort den höchsten Berg besteigen. Aber aufgrund meiner "Laufschwäche" verzichtete ich lieber darauf. Ich möchte zwar weiterhin auf allen Inseln mindestens einen Tag verbringen, aber das Hauptziel ist doch auf dem Stromboli eine Nacht zu verbringen. Und diesem Ziel werde ich alle anderen voranstellen. Aus diesem Grunde machte ich mir einen gemütlichen Vormittag. Das Wetter war wie gesagt auch nicht ganz so gut, eher bedeckt. Es waren sehr hoch liegende Wolken, denn der Fernblick war heute sogar besser als an manch anderen Tagen vorher.

Nachmittags fuhr ich dann nach Vulcano. Hier wollte ich nur den kleinen Fußmarsch zum Valle die Mostri machen. Dieses "Tal der Monster" liegt am Nord-Ost-Rand der Halbinsel Vulcanello. So machte ich mich auf diesen fast ebenerdigen Fußmarsch. Nach wenigen Minuten war ich in Porto di Ponente angelangt, dem wahrscheinlich schönsten Strand auf den Inseln. Natürlich ist zu dieser Jahreszeit dort nicht so viel los, so dass ich schnell an der Küste entlang auf die Halbinsel Vulcanello vorstieß. Vulcanello war ursprünglich die achte Insel der Äolen, wuchs dann aber mit der größeren Insel Vulcano zusammen. Vulcanello entstand im 2. Jahrhundert v.Chr. durch einen neuen Vulkanausbruch. Der so entstandene Vulkan bildet auch heute noch den Mittelpunkt der Halbinsel. Interessant ist das Valle die Mostri. Hier liegen im schwarzen Lavasand rötlich erscheinende Vulkansteine, die aus manchen Blickwinkeln wirklich den Eindruck von kleinen Monstern vermitteln. Eine bekannte Formation ist dabei der "Bär", ein Stein, der tatsächlich an einem auf den Hinterbeinen stehenden Bären ähnelt. Dort machte ich dann auch eine kleine Pause, als sich der Himmel immer mehr zuzog und auch schon ein leichtes Donnern eines herannahenden Gewitters zu vernehmen war. Die Entscheidung nicht nach Alicudi zu fahren war also wirklich die richtige gewesen, auch wenn sie nicht auf Grund des Wetters zu Stande kam. So ging ich dann schnell wieder in Richtung Hafen, hatte dann aber noch ein wenig Zeit. So habe ich die Gegend um den Acqua di Bagno, das Schlammloch mit der natürlichen Fangopackung, erkundet. Hinter diesem Schlammloch liegt direkt der Strand und auch dort steigen aus vielen unterirdischen Löchern kleine Gasbläschen aus. Und warmes Wasser, weshalb man hier nicht ohne Badeschuhe ins Wasser gehen sollte, denn teilweise kann das Wasser bis zu 95 Grad heiß werden. Diese Gegend wird Zona delle Acque Calde (Zone des warmen Wassers) genannt. Schon zu Zeiten der Römer wurden diesen heißen Quellen im Meer beschrieben. Im Hinterland des Strandes liegt das sogenannte Tote Feld. Hier hat man Vulkanismus und Geologie zum Anfassen. Denn auch hier zischt und brodelt es aus unzähligen kleinen Löchern am Boden. Der Geruch des Schwefelwasserstoffs liegt in der Luft und die Schwefelablagerungen am Boden führen einen zielsicher an die Gasaustritte heran. Der Boden ist hier teilweise so warm, dass man die Hand nicht länger als eine Sekunde am Boden halten kann. "Totes Feld" heißt diese Gegend deshalb, weil hier in dem schwefelhaltigen Boden keine Form von Vegetation gedeihen kann und hier einfach nichts als gelblicher Boden ist. Diese Zone setzt sich bis zum Wasser fort und wenn man dort mal ein wenig im Boden gräbt, 5 Zentimeter genügen, dann stößt man auch hier auf heißen Sand. Hier ist alles vom Vulkanismus geprägt. Wo auf dem Stromboli nur die beiden Sinne Sehen und Hören angesprochen werden wenn es um den Vulkanismus geht, so werden hier immerhin 4 Sinne angesprochen, nämlich zu den gleichen wie am Stromboli zusätzlich noch das Riechen und das Fühlen. Das Schmecken sollte man besser lassen, denn Schwefel ist nicht sonderlich schmackhaft und gesund. Vulcano und gerade dieser Bereich ist ein einziges Freilichtmuseum des Vulkanismus und steht dem Stromboli insofern in nicht nach. Nur dass der Stromboli halt das was wir an Vulkanismus kennen noch besser darstellt. Deshalb möchte ich auch gerne übermorgen dorthin.

Für heute reicht mir und meiner Achillessehne der Ausflug und da es auch noch leicht zu regnen anfängt, werde ich mich jetzt mit der endlich eingetroffenen Wochenendausgabe der Süddeutschen beschäftigen.

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