Inseltagebuch
Montag, 22.04.2002
Heute wurde ich nicht etwa durch das Hupen eines Autos oder durch die Sonnenstrahlen geweckt, sondern durch den Regen, der an die Fenster klopfte. Es war also heute nichts mit dem Besuch von Panarea. Ich musste mich erst einmal durch den Regen zum Bäcker kämpfen. Ist etwas übertrieben, denn der Regen war dann doch nicht so heftig. Jedenfalls dehnte ich das Frühstück so lange, weil ich hoffte, dass der Regen nachließe. Aber das war nicht der Fall. So konnte ich Vormittags nur hier in meiner Wohnung sitzen, Tee trinken und Zeitung lesen.
Auch am Nachmittag hatte der Regen nicht nachgelassen, so dass ich nun meinen Besuch im archäologischen Museum in Lipari angehen. Das Museum befindet sich in den Gebäuden der Akropolis auf dem Burgberg. Hier wurden über Jahrhunderte hinweg die Überreste jeder Epoche durch den herangewehten Sand überdeckt. Das ermöglichte den Archäologen eine Studie in dem um 9 Meter höher liegenden Berg als vor 6000 Jahren. Hier wurde schon gesiedelt, als die Pyramiden von Gizeh noch nicht einmal in Planung waren. Gefunden wurden Keramiken und auch bearbeitete Obsidiansteine. Dieses Obsidian war eines der schärfsten Werkzeuge der Steinzeit und so wurden sie zu Pfeil- und Speerspitzen, aber auch alltäglichen Schneidewerkzeugen verarbeitet. Obsidian war auch der erste große Exportschlager Liparis. In den weiteren Räumen des Museums wird dann der Bogen bis zur späten Römerzeit geschlagen. Besonders beeindruckend ist die Ausstellung griechischer Theatermasken und die in dem Meer rund um die Inseln gefundenen Amphoren. Hier in Lipari sind alle Funde der 7 Inseln zusammengefasst, so dass es eine wahrlich riesige Ausstellung ist. Die Beschriftung der einzelnen Exponate ist leider nur in italienischer Sprache, aber die begleitenden Texte zu den einzelnen Epochen stehen auch in englischer Übersetzung zur Verfügung. So kann man sich bis zu 3 Stunden in den Räumen aufhalten.
Ich besuchte außerdem die Kathedrale aus dem 17. Jahrhundert. Die Größe dieses Bauwerks ist sehr erstaunlich, wenn man bedenkt, dass in Lipari nur 5.000 Menschen leben. Sehr interessant sind auch die Reliquien des heiligen Bartholomäus, die angeblich im 6. Jahrhundert an den Strand von Lipari gespült wurden. Der italienische Aufpasser der Kathedrale führt einen auch gerne etwas herum, auch wenn er nur italienisch spricht und ich kaum etwas verstanden habe. So konnte ich aber auch in die Räume schauen, die ansonsten den Blicken entzogen sind, z.B. der Sakristei.
Auch ein Rundgang über das Gelände ist sehr interessant. Im Hof der Kathedrale stehen sehr viele griechische Sarkophage und auch in dem angrenzenden kleinen Park kann man welche sehen. Außerdem ist der Blick auf die belebte Marina Corta von hier oben sehr schön anzuschauen. So kann man also wirklich einen ganzen Nachmittag auf dem Burgberg verbringen, ohne dass es einem langweilig wird.
Das Wetter hatte sich inzwischen auch soweit beruhigt, dass ich mir doch berechtigte Hoffnung machte, den für morgen geplanten Besuch des Stromboli nicht verschieben zu müssen. So ging ich also früh ins Bett, denn der nächste Morgen sollte schon früh beginnen.