Inseltagebuch
Freitag, 26.04.2002
Der heutige Tag begann ganz anders als der gestrige. Es war ein strahlender Sonntag, so dass meiner Besteigung des Monte Fossa delle Felci nichts mehr im Wege stand. Da Salina direkt neben Lipari liegt, konnte ich mir ein weinig Zeit lassen mit dem Aufbruch. So nahm ich erst den Aliscafo um 11.00. Schon eine gute halbe Stunde später stieg ich in Rinella von Bord.
Der Wanderführer zeigte verschiedene Varianten des Aufstieges auf. Salina hat das beste und auch das best markierte Wandernetz auf den Inseln. So kann man von allen drei Gemeinden der Insel auf den Berg steigen, sowohl von Santa Marina, von Malfa und eben auch von Rinella. Die angeblich schönste Route ging von Rinella aufwärts und dann auf der anderen Seite der Insel bis zu dem kleinen Ort Lingua hinab. So ging ich also zunächst durch die kleine Ortschaft Rinella, die zu der selbständigen Gemeinde Leni gehört. Denn hier auf Salina ist es etwas anders als auf den anderen Inseln. Lipari, Vulcano, Panarea, Stromboli, Filicudi und Alicudi gehören zu einer einzigen Gemeinde, nämlich zu Lipari. Dagegen gibt es auf Salina alleine drei selbständige Gemeinden. Der Aufstieg ging dann also durch Rinella in Richtung Leni. Ab diesem Moment hatte ich auch einen Wandergefährten, nämlich einen mittelgroßen Hund. Er schlenderte erst langsam neben mir und ließ mich nicht mehr aus den Augen. Und er ging ständig den gleichen Weg wie ich. So folgte ich der Beschreibung im Wanderführer. Es ging durch das Häusergewirr des kleinen Ortes. Irgendwann hatte ich wohl einen Abzweig verpasst, so dass leider die Beschreibung nicht mehr mit dem übereinstimmte, was ich vor mir sah. Aber ich dachte mir, dass ich früher oder später wieder auf den richtigen Weg zurückfinden würde. Doch auch nach der nächsten ¼ Stunde tat sich nichts. Da lief ich auf eine Wandergruppe zu, die gerade mit einer Einheimischen diskutierte. Anscheinend hatte auch sie den Weg nicht gefunden. Und wie ich heraushörte als ich näher kam, sprachen sie deutsch. So grüßte ich freundlich und die Gruppe weiß mich daraufhin, dass der von mir eingeschlagene Weg ins Nichts führte. Und ob ich auch auf den Berg wolle. Dies bejahte ich und dann sagten sie mir, dass sie gerade den richtigen Weg erfahren hätten und ich solle doch einfach mitlaufen. Die Gruppe bestand aus ca. 10 Personen und das Durchschnittsalter war um die 50. Das war jetzt nicht gerade die Gruppe die man sich als Wanderpartner vorstellt, aber solange sie wussten wo der Weg war und ich nicht, ging ich gerne mit. Schon kurze Zeit später standen wir an einem Schild das den Weg zu Gipfel angab. Der Weg ging von jetzt an steil bergauf. Dies konnte nicht der Weg aus dem Wanderführer sein, denn der sollte erst an der Kirche Madonna del Terzito vorbeiführen. Aber so scharf war ich auf dieses Gemäuer nicht, außerdem hatte ich den Weg ja sowieso nicht gefunden. Und hier ging es ja bergauf, so wie ich es wollte. Also gab ich ein bisschen Gas und lief der Gruppe davon. Der Hund war immer noch bei mir, nur dass er jetzt ständig zwischen mir und der Gruppe hin und her raste. Denn in dieser Gruppe gab es auch noch einen zweiten Hund und man kann sich vorstellen, dass es auch für Hunde angenehmer ist zu zweit zu laufen. Als ich mal wieder eine Rast machte überholte mich ein Pärchen aus der Schweiz. Beide waren Anfang 40 und ich sah in ihrer Hand den gleichen Wanderführer wie den den ich dabeihatte. Also musste ich mich jetzt nur noch nach ihnen richten und musste nicht mehr ständig lesen. Sie gingen auch den gleichen Weg und an einer steileren Stelle wollten sie mich durchlassen. Ich sei ja eh schneller, wobei ich schon Probleme hatte ihnen zu folgen. So kamen wir dann ins Gespräch und sie wollten tatsächlich denselben Weg gehen wie ich. Dann könne man ja zusammen gehen und da sie nett waren taten wir das dann auch. So war dies mal eine Wanderung nicht in aller Stille, sondern mit einer angenehmen Unterhaltung.
Wir erreichten dann auch nach ca. 2 ½ Stunden den Gipfel. Doch hier war es nicht sonderlich angenehm. Ein kalter Wind wehte hier und der Berg lag urplötzlich in dichtem Nebel. Wir machten aber trotzdem eine Pause und setzten uns an eine Bank zusammen mit einem anderen Pärchen, ebenfalls Schweizer. Und die legten dann los in ihrem schweizer-deutsch miteinander zu reden. Ich konnte nur staunen, denn ich verstand fast kein Wort. Wenn ich dann doch mal in die Diskussion eingebunden wurde, dann übersetzten sie mir das kurz vorher Gesagte. Es ist schon erstaunlich wie wenig man versteht. Jedenfalls verabschiedeten wir uns von den anderen beiden und da man von diesem höchsten Gipfel aus wegen des dichten Nebels sowieso nichts sah, begaben wir uns auf den Abstieg. Dieser führte laut Wanderführer über mehr als 1.000 Treppenstufen bergab nach Lingua. Und Treppenstufen darf man sich hier nicht so vorstellen wie in einem Treppenhaus. Meist waren es unverputzte schwere Lavabrocken über die man mehr balancieren musste als dass man laufen konnte. Manchmal waren die einzelnen Stufen auch bis zu 5 Meter auseinander, so dass man auch durch ganz normale Erde gehen konnte. Und es ging steil bergab. Und rutschig war es auch. So kam man nicht so schnell voran, wie wir es uns gedacht hatten. Denn wir wussten schon, dass um kurz nach 17.00 ein Bus von Lingua nach Sante Marina fahren würde und wir von dort dann einen Aliscafo nach Lipari um 17.55 nehmen konnten. Der nächste wäre erst wieder um 19.25v gefahren und das war uns allen zu lang. Also gaben wir richtig Tempo auf den letzten Metern, doch dann kam wieder die normale italienische Gemütlichkeit, denn der Bus hatte Verspätung. Das erfuhren wir von ebenfalls Wartenden. Übrigens war der Hund bis zum Gipfel mit uns gelaufen, dort aber mit der ebenfalls angekommenen deutschen Gruppe zurück nach Santa Marina gewandert.
Unser Bus brachte uns dann nach Santa Marina, wo wir denn auch die Gruppe und auch unsere Hunde wiedertrafen. Wahrscheinlich würden sie hier übernachten und dann am nächsten Tag mit einer Gruppe aus Santa Marina zurück nach Rinella laufen, denn dort waren sie zu Hause. Wir fuhren dann mit dem Aliscafo zurück nach Lipari und ich verabschiedete mich von den Schweizern.
So ging ein Tag mit vielen Höhenmetern und vielen Worten zu Ende. Alles in allem ist die Wanderung schön, aber gehört nicht unbedingt zu den Highlights. Das einzige was einen nach oben treibt, ist die Tatsache, dass es sich dabei um den höchsten Berg der Äolen handelt. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn die Aussicht da gewesen wäre.