Inseltagebuch
Samstag, 27.04.2002
Ich hatte jetzt noch 2 Tage vor mir (den Montag zähle ich nicht, denn schon um 17.20 fährt meine Fähre nach Neapel und da werde ich bestimmt keine anstrengende Wanderung mehr machen) und auch noch 2 Inseln, die ich besuchen möchte. Da die Aliscafi aber nicht am Sonntag nach Alicudi fahren, aber nach Panarea, war die Entscheidung mir damit schon abgenommen. So stieg ich um 8.10 in den Aliscafo nach Alicudi. Die Fahrt führte über Salina und Filicudi. In Salina stieg dann das andere schweizer Pärchen vom Gipfel des Motte Fossa in den Aliscafo. So klein können die Inseln sein. Sie fuhren auch nach Alicudi, wollte aber nicht den Berg besteigen, sondern lieber einen ruhigen Tag nach der Gipfeltour machen. Doch alle anderen Touren als die Besteigung des Filo dell’Arpa mit seinen 675 Metern kam für mich nicht in Frage. Sie klangen eher langweilig. Um 9.45 legten wir dann in Alicudi an.
Die gesamte Insel ist ähnlich wie Filicudi mit Steintreppen durchzogen. Hier in Alicudi waren sie aber wirklich die einzigen "Straßen". Und es gab auch keine motorisiertes Fahrzeug, sondern nur Maultiere. Es erinnert ein wenig an Ginostra auf Stromboli, doch hier betrifft es die gesamte Insel. Es leben auch nur noch etwa 100 Personen auf der ganzen Insel. Mein Weg führte also diese Treppen bergauf. Anfangs noch so wie man sich Treppen vorstellt, doch je höher man kommt, desto gröber werden die verwendeten Steine. Irgendwann kann man die Treppen nur noch erahnen, es wirkt eher wie ein einziger Aufstieg auf groben Steinen. Aber die Treppen bewirken immerhin, dass man in relativ kurzer Zeit einen großen Höhenunterschied überwindet. Dafür geht es auch mehr in die Oberschenkel als ein Serpentinenpfad. Jedenfalls stand ich schon 1 ½ Stunden später auf einer Höhe von knapp 500 Metern und hatte damit die letzten Häuser hinter mir gelassen. Von nun an führte der Weg über eine Hochebene, die als Weidefläche für das Vieh dient. Man muss zuerst durch ein Gatter und stand dann auf dieser Ebene. Hoffentlich gibt es hier keine wilden Stiere, dachte ich mir und machte mich auf den letzten Teil des Aufstieges. Doch hier wurde es dann schwierig. Die Wegbeschreibung versagte irgendwie bei mir schon wieder und so stand ich irgendwann inmitten von stacheligen Pflanzen an einem Hang und wusste nicht weiter. Der beschriebene Weg war es sicher nicht, aber jetzt wieder runter und nach dem Weg suchen. Nein. Ich stieg also bergauf ohne einen Pfad. Geht auch, man darf nur nicht zimperlich wegen seiner Kleidung sein. Denn man geht hier durch über hüfthohe stachelige Pflanzen. Selbst durch meine dicke Wanderhose stachen diese Biester. Und der Gipfel war immer noch nicht in Sicht. Im Gegenteil, es waren viele Gipfel da. Denn ich stand auf einmal in einer Mulde, die von mindestens 4 ähnlich hoch erscheinenden Gipfel eingerahmt war. Welcher war jetzt der höchste? Hier half dann wieder das Buch. Auf dem höchsten Gipfel sollte ein Steinhaufen aufgeschichtet sein. Und tatsächlich sah ich auf einem der Gipfel einen solchen Steinhaufen. Aber jetzt musste ich noch dort hinauf. Der Weg ging dann wirklich nur noch in einer einzigen Kletterei über Lavabrocken bergauf und nach kräftezehrenden 45 Minuten stand ich endlich an diesem Steinhaufen. Und es schien wirklich der höchste Gipfel zu sein. Hier machte ich dann eine ausgiebige Rast. Es war jetzt 13.00 und der Aliscafo zurück fuhr erst um 16.00. Und bergab dauerte es in der Regel nur halb so lange. Also machte ich mich auch erst nach über einer Stunde auf den Rückweg. Denn von hier oben hatte man einen tollen Blick auf die anderen Inseln. Die nächstgelegene Insel Filicudi war sehr gut zu erkennen, aber auch Salina, Lipari, Vulcano und Panarea konnte man sehen. Nur der Stromboli wollte sich nicht zeigen. Dafür sah man aber sehr deutlich die sizilianische Nordküste. Ich hatte nicht geglaubt, dass man diese sehen könnte, aber so weit war sie dann auch wieder nicht entfernt.
Der Abstieg ging dann auch wirklich reibungslos, wobei ich jetzt meine Oberschenkel immer mehr spürte. Erst gestern der Aufstieg auf knapp 1.000 Meter und dann den Treppenpfad bergab, und jetzt wieder auf knapp 700 Meter und wieder Treppen bergab. Das geht schon ganz schön in die Beine. Aber ich erreichte dann langsamen Tempos mit einigen Pausen und Fotostopps den Hafen von Alicudi gegen 15.30.
Die Fähre brachte mich dann nach Lipari und gegen 17.45 war ich wieder in meiner Wohnung.
Diese Wanderung war sehr gut. Diese unendliche Ruhe auf der entlegensten Insel ist ein Erlebnis für sich. Und wenn man sich dann auch noch auf den Gipfel durchschlägt, dann hört man außer dem Kreischen der Möwen gar nichts anderes mehr. Sehr beruhigend und auf jeden Fall einen Besuch wert. Jetzt müssen sich meine Oberschenkel aber erst mal richtig ausruhen. Hoffentlich ist das Wetter Morgen vernünftig, damit ich nach Panarea fahren kann. Hier kann man in gemütlichen 2 Stunden den nur 421 Meter hoch liegenden höchsten Berg der Insel besteigen. Und das halten die Oberschenkel schon noch aus, vor allem weil es hier keine Treppen gibt.